© Gerhard Hagen
Bistumshaus St. Otto
Bamberg
Erzdiözese Bamberg und Ernestinische Seminarstiftung
Wettbewerb 1. Preis, Lph 1-9
Bauzeit 2003 bis 2007
BRI: 79 800 m³
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"Es ist wirklich ein Genuss, aus der Nähe zu sehen, wie dieser monumentale Zweckbau bis in die letzte Einzelheit durchgearbeitet ist." Das schrieb Rudolf Pfister 1928 im Fachmagazin Baukunst zum im selben Jahr feierlich bezogenen Gebäude "der erzbischöflichen Seminarien" am Heinrichsdamm im Süden Bambergs. Dass man das inzwischen denkmalgeschützte und in „Bistumshaus St. Otto" umbenannte Bauwerk wieder nahe am Ursprungszustand bewundern und Pfisters Urteil nachvollziehen kann, ist das Verdienst von Matthias und Birgit Dietz und ihrem Team. 1998 Sieger eines Wettbewerbs unter zehn Bamberger Planern, schlüpften die Dietz' in die Rolle des unsichtbaren Architekten: Ihr Augenmerk legten sie auf die äußerst sensible Sanierung des gewaltigen Bauwerks. Ihre eigenen Ergänzungen indes und die Umbauten für die neuen Nutzungen wirken so selbstverständlich, dass man sie kaum wahrnimmt.
1914 hatte das Erzbistum einen Wettbewerb um ein Gebäude für ein Priester- und ein Knabenseminar ausgelobt. Sieger war der Professor an der Nürnberger Kunstakademie Ludwig Ruff, der später als des „Führers zweiter Baumeister" zu unrühmlichen Ehren gelangte. Ruff plante einen vierflügeligen, 135 m langen und 80 m breiten Komplex um einen zentralen Innenhof. Weil er aber immer wieder umplanen musste - gebaut wurde erst zwischen 1927 und 1928 -, kam ein zwar sehr reizvoller, dennoch heterogener Mix aus Heimatstil und neuer Sachlichkeit mit verhalten expressionistischen Anklängen heraus. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde das Gebäude mehrmals umgebaut und ergänzt - ohne Rücksicht auf die Bausubstanz. So hat man beispielsweise Bewehrungsstähle und Konstruktionshölzer entfernt. Für den neuerlichen Umbau - statt des aufgelösten Knabenseminars zogen Teile der Diözesanverwaltung sowie der Heinrichs-Verlag ein - mussten zunächst die konstruktiven Mängel beseitigt werden. Planungsziel war eine denkmalverträgliche Einfügung der neuen Nutzungen, die Rückführung auf die ursprüngliche Großzügigkeit und Einheitlichkeit sowie die ausgesuchten Details, die schon Pfister so begeistert hatten, zu erhalten. Das Büro Dietz nutzte das ganze Instrumentarium der klassischen Denkmalpflege, musste aber auch aktuelle Forderungen des Brandschutzes und der Barrierefreiheit berücksichtigen. All das ist gut gelungen. Der eingangs erwähnte „Genuss" stellt sich ein, wenn man etwa im Vortragssaal steht, das sorgsam restaurierte Deckendekor, die rot gepolsterten Thonet-Stühle oder das weitere gewissenhaft aufgefrischte Mobiliar sieht. Neue Zutaten wie aufklappbare Garderobenschränke, hauchdünne Stahlzargen oder die fast nicht sichtbaren Glasscheiben am Eingang erscheinen so, als ob sie immer schon dagewesen wären. Die Durcharbeitung bis ins Detail wurde beispielgebend weitergeführt.”
(aus Aktuelle Architektur in Oberfranken 2, Ein Architekturführer, 2016, von Enrico Santifaller, Initiative Baukunst Oberfranken)
Fotos von Gerhard Hagen