Moderne minimalistische Fußgängerbrücke über einen Fluss. Im Hintergrund weiße moderne Wohngebäude und Bäume ohne Blätter mit blauem Himmel.

Erba-Steg

Bamberg

Stadt Bamberg

in Zusammenarbeit mit Grad Ingenieurplanung (Tragwerksplanung) + Goldbrunner Ingenieure (Auschreibung und Objektüberwachung)

Lph 1-8 Objektplanung

Bauzeit 2009 bis 2012

freie Spannweite 48m

  • Ingenieurbauwerke wie Brücken, Talsperren oder Silos nehmen wir klaglos hin. Irgendwann stehen sie da, und nachdem der Ärger wegen der Behinderungen während ihres Entstehens verflogen ist, werden sie nicht mehr wahrgenommen. Vielfach auch zu Recht. Vermeintliche Wirtschaftlichkeit, angeblicher Vorrang der Funktion und vor allem die Ignoranz der meist öffentlichen Bauherrn sorgen für wenig markante Bauten, bei denen Ästhetik und die Beziehung zum Ort an letzter Stelle stehen. Wie anders ist es, wenn eine Brücke mal formschön ist, sie mal nicht nur technischen, sondern auch baukulturellen Ansprüchen zu genügen sucht! Wie etwa in Bamberg bei der Kettenbrückeund beim Erba-Steg. Die Kettenbrücke wiederbelebte nicht nur ihren 1829 fertig-gestellten Vorvorgänger, die von Leo von Klenze und Franz Schierlinger geplante Kettenbrücke in neuer, sehr dynamischer Form, sondern bietet nicht geahnte Aufenthaltsqualitäten, die so weit gehen, dass sogar Tanzkurse auf ihr stattfinden. Der Erba-Steg dagegen schlägt auf äußerst grazile Weise die Brücke über einen zum Fischpass erweiterten Regnitz-Altarm. Beide Brücken gehören untrennbar zusammen. Als der Neubau der Kettenbrücke 2006 anstand, dachte man, während der Bauzeit den Main-Donau-Kanal mit einem Behelfsbauwerk zu überbrücken. Anschließend sollte das Provisorium verschrottet werden, rund eine halbe Million Euro wären so in den Bamberger Sand gesetzt worden.

    Das aus dem Architekten Matthias Dietz und dem Ingenieur Johann Grad bestehende Planerteam schlug dagegen vor, einen recyclebaren Steg zu bauen. Eine wiederverwendbare Brücke, die, nachdem sie ihre Behelfsfunktion erfüllt hatte und die neue Kettenbrücke für den Verkehr freigegeben war, an anderer Stelle zwei Ufer verbinden konnte. Dem Bauherrn muss man hoch anrechnen, dass der zunächst belächelte Vorschlag angenommen wurde. Geplant für die dauerhafte Anbindung des Gartenschau-Parks, wurde der 60 m lange Brückenbaukörper zunächst als Provisorium während des Neubaus der Kettenbrücke verwendet. Die luftdicht verschweißte, torsionssteife Stahlkonstruktion besteht aus Längs- und Querschotten mit 12 mm starken Deckblechen. Die Ausformung folgt in Längs- und Querrichtung strikt dem Kräfteverlauf. Die Konstruktionshöhe des im Schnitt dreieckigen Brückentragwerks beträgt in der Stegmitte gerade einmal 35 Zentimeter, wobei in Richtung der Auflager die Brückendicke entsprechend dem Zuwachs der Biegemomente kontinuierlich zunimmt. Ein besonderes, fast magisches Erlebnis bietet die Brücke nachts: Weil die Beleuchtung in die Geländer integriert ist, leuchtet der Steg wie ein horizontaler Strich in der Landschaft.

    (aus Aktuelle Architektur in Oberfranken 2, Ein Architekturführer, 2016, von Enrico Santifaller, Initiative Baukunst Oberfranken)

Preise

2014 Deutscher Brückenbaupreis

2015 Engere Wahl BDA Preis Franken

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Kettenbrücke